Naturschutzstation Teichhaus EschefeldAktuelles

Rückblick: Diskutieren über Glyphosat

Ein Vortragsabend in der NABU-Naturschutzstation Teichhaus Eschefeld

Foto: Eric Neuling NABU
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Foto: Eric Neuling NABU

Das Interesse an dem Thema Glyphosat ist groß. Neben interessierten Bürgern waren auch Agrarberater, Vertreter der Pflanzenschutzbranche, Geschäftsführer großer regionaler Agrarbetriebe, lokale Landwirte und Naturschützer am 11. Februar 2020 in die NABU-Naturschutzstation Teichhaus Eschefeld gekommen, um sich über das Thema zu informieren.

Schon zu Beginn der Veranstaltung zeigte sich, dass es um mehr gehen sollte als um das Verbot des Totalherbizids, es geht auch um unseren Umgang mit der Natur und der Landwirtschaft. Der Referent Stefan Lips, Sprecher des BUND Leipzig für den Arbeitskreis Chemie und Umwelt, wies gleich zu Beginn darauf hin: Die Landwirte agieren nicht frei. Sie spüren den Druck der Nahrungsmittelindustrie auf der einen und der weltwirtschaftlichen Konkurrenz auf der anderen Seite. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, scheint für viele der Einsatz von Herbiziden wie Glyphosat unabdingbar.  

Das Wirkprinzip von Glyphosat ist einfach: Die Substanz hemmt die Synthese von wichtigen Aminosäuren und verschiedenen sekundären Pflanzenstoffen und schädigt dadurch die Pflanze nachhaltig. Im Teichhaus entspann sich eine lebhafte Diskussion um Gefahr und Risiko bezüglich der Wirkung des Mittels auf die Umwelt. Schnell wurde klar: Das wahre Ausmaß beim Einsatz von Herbiziden wird scheinbar oft unterschätzt, denn die Vernetzungen der Organismen untereinander in einem Ökosystem sind noch lange nicht alle bekannt und die bekannten werden zum Teil nicht mitgedacht.

Stellt sich die Frage nach Alternativen: Was, wenn nicht Glyphosat? Nachfolgersubstanzen sind schon im Gespräch, weniger gut erforscht und sicherlich nicht weniger bedenklich für Mensch und Umwelt. So zeigt sich, es geht gar nicht um allein um das Mittel Glyphosat, es geht auch um die gute fachliche Praxis in der Landwirtschaft, die Nutzung von Glyphosat außerhalb der Landwirtschaft (zum Beispiel im Klein- und Hausgarten) oder um die Erwartungshaltung vieler Verbraucher. Es ist eben nicht möglich, alle Lebensmittel jederzeit zu Niedrigstpreisen zu produzieren. Eine Lösung konnte im Teichhaus Eschefeld nicht gefunden werden, aber vielleicht ein wenig mehr Verständnis für die jeweils andere Seite.

 

Hintergrund 

Glyphosat hat durch seine Einsatzmenge und die Größe der behandelten Flächen eine hohe Umweltrelevanz. Die Zahlen zum Rückgang von Insekten sind mittlerweile allgemein bekannt. Ergebnissen des Nationalen Vogelschutzberichts 2019 zufolge gingen die Vogelbestände in der Agrarlandschaft zwischen 1980 und 2016 um 34 Prozent zurück. Arten wie das Rebhuhn oder der Kiebitz haben sogar über 90 Prozent ihres Bestands verloren. Diese Rückgänge sind auf den Verlust von Nahrung und Habitaten zurückzuführen, wozu die intensive Landwirtschaft ihren Teil beiträgt.

Es müssen schnellstmöglich Lösungen jenseits des pauschalen Verbots einzelner Stoffe auf der einen und einer weiterhin intensiven Landwirtschaft samt Einsatz von Pestiziden auf der anderen Seite gefunden werden. Der Einsatz von Pestiziden muss deutlich reduziert werden und in Schutzgebieten sowie auf privaten Flächen gänzlich entfallen. Dabei kommt es darauf an, dass die Gesamtheit der schädigenden Wirkungen, denen der Naturhaushalt ausgesetzt ist, reduziert wird. Vielmehr sollten Maßnahmen des integrierten Pflanzenschutzes – das heißt, Verwendung von standortgeeignetem, robustem Saatgut, Nützlingen, geeigneten Fruchtfolgen, mechanische Bodenbearbeitung – zur Anwendung kommen. 

Kathleen Burkhardt-Medicke, Maria Vlaic

Der Artikel erschien im akutellen NABU Sachsen InfoBrief, Februar 2020, Nr. 184.


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